Oder: Warum ist dein Mann dein Fotoassistent?

Neulich fragt mich eine Kollegin: wie hast du eigentlich deinen Mann dazu gebracht, bei dir mitzumischen?
Ganz ehrlich: ich habe ihn weder gezwungen, noch überreden müssen.
Es war ganz banal, denn manche Dinge sind einfach so wie sie sind.
Mein Bruder ist seit ungefähr dreissig Jahren mit seiner Partnerin zusammen.
Unverheiratet, nur dass ich das mal erwähnt habe.
Seine Partnerin ist ebenfalls Berufsfotografin. Und mein Bruder ist ihr Fotoassistent.
Als Tjark und ich damals, frisch verlobt, meiner Familie von der guten Neuigkeit erzählten, hat mein Bruder zu Tjark gesagt: „Dir ist schon bewusst, dass du als Mann einer Fotografin ein Leben lang Koffer schleppen wirst?“.
Mein zukünftiger Ehemann stutzte kurz. Und sagte „Das ist mir egal-dann mache ich das eben“. Er macht das eben-das hat er wirklich so gemeint.

Seitdem schleppt er an Hochzeiten nicht nur die Koffer.

Er fährt unser Auto, wenn unsere Brautpaare mich im Brautauto haben möchte beim verschieben von der Apero-Hochzeitslocation zur Abendlocation, wo die Feier mit den geladenen Gästen stattfindet. Mein Mann baut das mobile Studio auf und ermöglicht mir so, in dieser Zeit beim Geschehen zu bleiben. Er hält mir Reflektoren, damit das Licht auch dahin kommt, wo es hin soll. Bei Situationen, in denen nur Sekunden bleiben, um den Moment einzufangen, steht Tjark schon mit der richtigen Kamera parat, damit diese nur noch schnell getauscht werden muss. An das richtige Objektiv denkt er natürlich vorher.
Tjark zupft Brautkleider, pudert Glanznasen, besorgt Blasenpflaster für die Brautschuhe, wechselt Objektive, räumt störende Handtaschen aus Gruppenfotos oder schiebt Kinderwägen in der Kirche aus dem Weg (ohhhhh! Dazu schreibe ich mal eine gesonderte Geschichte!). Und er reicht das vergessene Tränen-Taschentuch, dass er, fürsorglich wie er eben ist, immer in der Tasche hat. Es sind tausend kleine Handgriffe, mit denen ein Fotoassistent hilft, den Hochzeitstag fotografisch perfekt zu machen.

Und er macht es inzwischen richtig gerne, weil er die Atmosphäre, die Spannung, die Emotionen und den Flair von Hochzeiten ebenso liebt wie ich.

Einen Fotoassistenten, sagen viele Kollegen, den braucht es nicht.
Ich finde: doch, man braucht einen-zugunsten des Brautpaares.
Zugunsten spontaner, emotionaler und professioneller Hochzeitsfotos.

 

 

 

Mein Mann und Fotoassistent Tjark im Einsatz

Wenn es jemanden gibt, der nicht nur dem Fotografen assistiert, sondern auch ein gutes Gespür dafür hat, was der Braut oder dem Bräutigam gerade gut tun würde, dann ist das etwas ziemlich Gutes. Ein Mensch mit Herz und Hirn, der einfach fest dazugehört.

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