Was ist eigentlich ein Onkel Bob?

Unter uns Fotografen gibt es jedoch ein-sagen wir-geflügeltes Wort: Onkel Bob.
Zuerst möchte ich sagen, dass das ist kein böses Wort-eher ein Neutrales. Es kommt auf den Ton an, wie man es ausspricht. Der Ton, in dem „Onkel Bob“ ausgesprochen wird, geht von `geduldig-liebvoll` über `leicht gereizt` bis hin zu `unterschwellig aggressiv`.

Ein Onkel Bob zeichnet sich durch eine gewisse Kenntnis von fotografischem Basiswissen wie Kamera und Speicherkarte aus.
Er ist der Onkel, der „auch einen guten Fotoapparat“ hat, wenn Brautpaare entscheiden, sich keinen professionellen Fotografen leisten zu wollen (was in manchen Fällen absolut verständlich ist-ich schreibe das also völlig wertungsfrei!).

Und er ist der Onkel Bob, der dem Profifotografen, auch wenn dieser gebucht ist, manchmal das Leben sehr schwer macht. Es gibt schreckliche Geschichten, die unter Fotografen kursieren:
„Ein Onkel Bob hat sich beim Ringwechsel zwischen meine Kamera und das Brautpaar geschoben.“
„Der anwesende Onkel Bob hat mich beim Gruppenfoto zur Seite geschubst um das Bild zu machen, dass ich mühevoll vorbereitet habe.“
„Onkel Bob ist mit seinen lauten Schuhen in der Kirche auf- und abgerannt und hat dem Pfarrer ins Gesicht geblitzt!“. Ich habe gehört, dass sich ein Onkel Bob mal auf einen Altar gestellt haben soll. Den Wahrheitsgehalt habe ich jedoch nicht überprüfen können.

Onkel Bobs sind schwierig, manchmal.

Es gibt aber auch die Netten. Die hilfreichen Engel unter den Onkels. Die legen ihre Kamera weg, wenn wir sie mit wenigen Worten davon überzeugen können, dass wir unser Handwerk schon gut machen werden. Und dass die Fotos besser werden, wenn bei den wichtigen Tagessituationen nur ein Fotograf „on duty“ ist. Die freuen sich, wenn das Paar mal zwei Minuten Zeit für sie hat und der Fotograf vielleicht noch das Licht zeigt und das Posing. Dann haben sie einfach eine handvoll richtig toller Schüsse auf ihrer Karte. So ist die Welt in ihrer Ordnung.
Die Tollsten sind die, die auch bei den Gruppenfotos helfen. Weil sie eine laute Stimme haben und die Namen der Gäste kennen, die sich dort noch ein wenig nach vorne oder hinten stellen sollen. Das ist dann wirklich gut und hilft allen Gästen, ganz schnell wieder weiterfeiern zu können.

Onkel Bobs gibt es übrigens auch in der Handy-statt-Kamera-Variante.
Und selbstverständlich ebenfalls in der weiblichen Ausführung. Nur dafür hat die Fachwelt noch keinen Namen. 🙂

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